Was stimmt wirklich? «Schwunghaft wie nie zuvor»? Der Faktencheck zu Trumps grosser Show

Sven Ziegler

25.2.2026

«State of the Union»-Ansprache: Drei Szenen zeigen auf, wie absurd Trumps Rede war

«State of the Union»-Ansprache: Drei Szenen zeigen auf, wie absurd Trumps Rede war

Mehr als zwei Stunden lang feierte Donald Trump vor dem Kongress ein Amerika, das unter seiner Führung nur noch siegt. Zwischen göttlicher Auserwähltheit, fragwürdigen Job-Rekorden und einem fast kindlichen «Nein, nein, nein».

25.02.2026

Donald Trump zeichnete vor dem Kongress das Bild eines Amerikas im Dauer-Triumph. Ein genauer Blick auf Inflation, Wirtschaft, Migration und Sicherheit zeigt: Viele zentrale Aussagen halten einer Überprüfung nicht stand.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Donald Trump zeichnete vor dem Kongress das Bild einer von Gott auserwählten Nation, die unter seiner Führung nur noch «gewinnt».
  • Seine wirtschaftlichen Superlative blendeten aus, dass die Arbeitslosigkeit zuletzt stieg – besonders bei Jugendlichen.
  • Mit einem pathetischen «Nein, nein, nein», einem Eishockey-Team als Siegesbeweis und einem Medaillen-Scherz setzte er auf maximale Selbstinszenierung.

US-Präsident Donald Trump hat in seiner Rede zur Lage der Nation 2026 ein Bild von einem Amerika gezeichnet, das «roaring like never before», also «schwunghaft wie nie zuvor» sei. Er sprach von Rekordinvestitionen, historischen Steuersenkungen, praktisch gestoppter Migration, einer ausgelöschten iranischen Nuklearbedrohung und einer Wirtschaft im Höhenflug.

Doch bei genauer Betrachtung halten zahlreiche Kernbehauptungen des Präsidenten einer Überprüfung nicht stand.

blue News macht den grossen Faktencheck. 

Inflation: Kein Rekord-Erbe, kein Wunderjahr

Trump behauptete, er habe eine «Inflation auf Rekordniveau» übernommen – die «schlimmste in der Geschichte unseres Landes». Tatsächlich lag die Teuerung bei seinem Amtsantritt im Januar 2025 bei rund 3 Prozent. Der Höchststand war bereits im Juni 2022 mit 9,1 Prozent erreicht worden. Historisch betrachtet lag die Inflation etwa 1920 sogar bei über 20 Prozent – deutlich höher als während der Biden-Jahre.

Zwar ist die Inflationsrate inzwischen auf rund 2,4 Prozent gesunken. Doch dieser Rückgang setzte bereits vor Trumps Amtsantritt ein. Zudem zeigen Kerninflationswerte weiterhin hartnäckige Preissteigerungen. Die US-Notenbank bleibt deshalb vorsichtig mit weiteren Zinssenkungen.

Wirtschaft: «Roaring»? Die Zahlen sind nüchterner

Trump sprach von einer Wirtschaft, die «roaring like never before» sei. Die Daten zeichnen ein differenzierteres Bild.

Das Wirtschaftswachstum 2025 lag bei rund 2,2 Prozent – schwächer als im Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote stieg leicht von 4,0 auf 4,3 Prozent. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 181'000 neue Stellen geschaffen – deutlich weniger als im Jahr davor.

Es stimmt zwar, dass mit rund 159 Millionen Menschen so viele Personen arbeiten wie nie zuvor. Doch auch die Bevölkerung ist so gross wie nie. Die Erwerbsquote blieb praktisch unverändert.

«18 Billionen Dollar Investitionen»: Zahl ohne belastbare Grundlage

Bei Trumps Rede kam es auch zu Protesten. 
Bei Trumps Rede kam es auch zu Protesten. 
KEYSTONE

Besonders spektakulär klang Trumps Behauptung, er habe Investitionen von «über 18 Billionen Dollar» gesichert. Diese Zahl ist jedoch nicht belegt. Selbst deutlich tiefere offizielle Summen umfassen vage Absichtserklärungen, bilaterale «economic exchanges» und informelle Versprechen ohne verbindliche Verträge.

Einige angekündigte Beträge übersteigen sogar die Wirtschaftsleistung der beteiligten Staaten. Experten zweifeln daher daran, dass diese Zusagen in der behaupteten Höhe tatsächlich realisiert werden.

Steuern: Nicht die grösste Senkung der Geschichte

Trump bezeichnete sein Steuer- und Innenpolitikpaket erneut als «grösste Steuersenkung in der Geschichte Amerikas». Gemessen am Anteil am Bruttoinlandprodukt liegt das Gesetz jedoch nur auf Rang sechs oder sieben seit dem Zweiten Weltkrieg.

Auch die Aussage «keine Steuer auf Sozialversicherung» ist übertrieben. Tatsächlich wurde eine befristete Zusatzabzugsregel eingeführt, die bis 2028 gilt und nicht alle Bezüger einschliesst. Millionen Empfänger – insbesondere unter 65-Jährige – profitieren nicht davon.

Migration: Deutlich weniger Übertritte – aber nicht «null»

Trump sagte, in den vergangenen neun Monaten seien «null illegale Migranten» ins Land gekommen. Das ist falsch. Die Zahl der illegalen Grenzübertritte ist massiv gesunken, liegt aber weiterhin im vierstelligen Bereich pro Monat.

Richtig ist, dass die Übertritte auf ein Niveau gefallen sind, das seit Jahrzehnten nicht mehr erreicht wurde. Allerdings hatte der Rückgang bereits gegen Ende der Biden-Regierung begonnen.

Auch Trumps Darstellung, es würden ausschliesslich «kriminelle Migranten» deportiert, hält nicht stand. Ein grosser Teil der inhaftierten Personen hat keine strafrechtliche Verurteilung.

Kriminalität: Rückgang – aber kein Allzeittief

Trump erklärte, Washington D.C. habe «praktisch keine Kriminalität mehr» und Morde seien im Januar «nahezu um 100 Prozent» gesunken. Tatsächlich wurden im Januar zwei Tötungsdelikte gemeldet – ein deutlicher Rückgang, aber kein Wert von null.

Auch landesweit ist die Mordrate gesunken. Sie lag 2024 bei 5,0 pro 100'000 Einwohnern und dürfte 2025 auf etwa 4,0 gefallen sein. Der Abwärtstrend hatte jedoch bereits vor Trumps Amtsantritt eingesetzt.

Iran: «Ausgelöscht» ist zu viel gesagt

Trump behauptete, eine US-Militäraktion habe Irans Atomprogramm «obliterated» («ausgelöscht»). Zwar wurden wichtige Anlagen schwer beschädigt. Doch Geheimdienst- und Inspektorenberichte gehen davon aus, dass Teile der Infrastruktur und erhebliche Mengen angereicherten Urans weiterhin existieren.

Von einer vollständigen Zerstörung kann keine Rede sein.

Acht Kriege beendet? Die Bilanz ist komplizierter

SOTU: Trump wird im Kongress angekündigt

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Die «State of the Union Address» ist ein traditionsreicher Staatsakt, bei dem der US-Präsident den Kongress über die Lage der Nation informiert und politische Vorhaben ankündigt.

25.02.2026

Trump erklärte, er habe «acht Kriege beendet». Tatsächlich vermittelte seine Regierung in mehreren Konflikten Waffenruhen oder diplomatische Annäherungen – etwa zwischen Armenien und Aserbaidschan oder zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo.

Doch in mehreren dieser Regionen flammten Kämpfe wieder auf oder es existieren weiterhin ungelöste Spannungen. In anderen Fällen handelte es sich nicht um formelle Kriege. Die Zahl «acht» ist daher deutlich überzogen.

Wahlen: Keine Hinweise auf «extremen Betrug»

Erneut sprach Trump von «rampant cheating» bei US-Wahlen. Umfangreiche Prüfungen in mehreren Bundesstaaten ergaben jedoch nur vereinzelte Fälle illegaler Stimmabgabe. Untersuchungen zeigen, dass Wahlbetrug einen verschwindend geringen Anteil aller abgegebenen Stimmen ausmacht.