Die Coronakrise kostet Schweizer Hotels zwei Milliarden Franken

tafi/SDA

3.4.2020

Ist in vielen Schweizer Hotels Realität: leere Betten.
Keystone

Ein letztes Hurra, dann kam das Virus: Nach einem Bombenstart ins Jahr leiden die Schweizer Hotels mittlerweile massiv unter der Coronakrise. Die Zeiten sind düster, die Aussichten trübe – jedes fünfte Hotel befürchtet die Pleite.

Seit Mitte März ist die Welt eine andere. Der Bundesrat erklärte den Notstand für die Schweiz und brachte das öffentliche Leben weitgehend zum Erliegen. Reisen ins Land sind seither nicht möglich. Und alle anderen sind angehalten, daheim zu bleiben.

Hotels dürften zwar unter speziellen Auflagen geöffnet bleiben. Bundesrat und Kantone versuchen die Unterkünfte als Unterstützung für Militär- und Pflegepersonal oder leichte Fälle aus den Spitälern freizuhalten.
Andere versuchen, ihre Hotelzimmer als «Home Office auf Zeit» zu vermieten. Dennoch: Viele Betriebe haben ihre Pforten geschlossen, um die laufenden Kosten zu senken.

Milliarden fallen weg

Der Schweizer Tourismus verliert seit den Notmassnahmen wegen der Pandemie und der Abschottung der Grenzen Milliarden. Gemäss der Umfrage von Hotelleriesuisse und Schweiz Tourismus werden die Schweizer Hotels in den Monaten März massiv an Umsatz einbüssen… zwischen 69 und 90 Prozent.



Ausgehend von einem jährlichen Umsatz der Schweizer Hotelbranche von 10,2 Milliarden Franken sei daher alleine für die Monate März bis Mai mit einem Umsatzverlust von fast zwei Milliarden Franken zu rechnen. Dies ergab eine Untersuchung des Instituts für Tourismus der Fachhochschule Westschweiz HES-SO Valais-Wallis.

Auch der «Blick» zitiert diese Studie, an der 2000 Betriebe teilgenommen haben. Demnach verlieren die befragten Hotels in den Monaten März, April und Mai jeweils zwischen 260‘000 und 280‘000 Franken. Die Verluste haben gravierende Auswirkungen: «Die Wahrscheinlichkeit eines Konkurses wird im Schnitt auf 19 Prozent geschätzt», heisst es in der Studie weiter.

Offen oder geschlossen? Kaum Überblick

«Es ist im Moment schwierig, den Überblick zu behalten, wie viele Hotels geöffnet haben», sagte Markus Berger, Leiter Unternehmenskommunikation der Organisation Schweiz Tourismus, am Freitag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Mehr als die Hälfte der Hotels (57 Prozent) ist ganz zu, 21 Prozent sind teilweise geschlossen.



Laut einem Verzeichnis von Hotelleriesuisse haben aktuell nur noch 400 Hotels gemeldet, trotz der aktuellen Situation geöffnet zu haben. Das sind fünf Prozent der rund 8000 Unterkünfte in der Schweiz. «Das sind sicher nicht alle», betonte Berger, der die Hoteliers mit offenen Anlagen dazu aufrief, sich in dem Register einzutragen.

Auch Gesamttourismus leidet massiv

Dem gesamtschweizerischen Tourismus würden durch das Coronavirus alleine von März bis Mai 6,4 Milliarden Franken entgehen. Es sind nämlich nicht nur die Hoteliers von den Schliessung betroffen, sondern auch Gastronomen, Seilbahnen und andere Transportunternehmen oder Vermieter von Ferienhäusern und -wohnungen, die sogenannte Parahotellerie.

Zum Vergleich: 2017 betrugen die Gesamteinnahmen des Tourismus in der Schweiz 44,7 Milliarden Franken. Der Tourismus spielt in der Schweizer Wirtschaft also eine bedeutende Rolle.

Bis Februar war alles gut

Dabei hatte das Tourismusjahr doch so gut angefangen wie schon lange nicht mehr. Die Touristen strömten in Massen ins Land und mit ihnen das Geld.



Konkret kletterte die Zahl der Übernachtungen in den Monaten Januar und Februar um jeweils mehr als sechs Prozent auf insgesamt 6,3 Millionen. Sowohl Schweizer als auch ausländische Gäste schliefen häufiger in den hiesigen Hotels.

Auch die Coronakrise konnte dem Sektor zu Jahresbeginn noch kaum was anhaben. Zwar sackte die Zahl der Hotelübernachtungen von Gästen aus China im Februar um fast 62 Prozent ab, dafür machten Gäste aus den Euroländern so zahlreich wie schon lange nicht mehr Ferien in der Schweiz.
Die Aussichten für den Schweizer Tourismus waren also glänzend –bis das Coronavirus kam. Oder wie es Schweiz Tourismus ausdrückt: Ein dramatisches Ende nach einem verheissungsvollen Start.

Die Coronavirus-Krise – eine Chronologie

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