1990er Jahre Revival: Einmal Modesünde und zurück, bitte

Mara Ittig

28.7.2018 - 00:00

Buffalos, Bauchtaschen, Skater-Look, Fischerhut: Einmal zurück ins Zeitalter der Modesünden, bitte.
Bild: Getty Images

Neben cooler Androgynität und schlichten Unisex-Stücken von Jil Sander oder Calvin Klein gab es in den 1990er Jahren auch jede Menge Trends, die wir eigentlich lieber vergessen hätten. Nur: In der Mode ist kein Abschied für immer. 

Kürzlich erreichte mich eine E-Mail der amerikanischen Vogue: Gigi Hadid wurde in Manhattan in einem völlig neuartigen Turnschuh abgelichtet. Neugierig klickte ich auf den Artikel und musste erkennen, dass es sich bei besagtem Schuh um ein fieses Buffalo-Modell mit Plateau-Sohle handelt. In Rosa.

Nachdem ich mein eigenes weisses Exemplar irgendwann Ende der Neunziger entsorgt hatte, war ich mir sicher: Dieses Vergehen am guten Geschmack wird ein einmaliges bleiben. Doch weit gefehlt. Unsere Lieblings-Modesünden aus den 1990er-Jahren sind wieder zurück. Ein Überblick.

In Zusammenarbeit von Buffalo London und dem New Yorker It-Label Opening Ceremony entstand die Neuauflage des 1990er-Kultschuhs.
Bild: Opening Ceremony

Marken und Logomania: Hier kommt es definitiv auf die Grösse an, denn die gute alte Logo-Wear ist zurück. Je grösser, desto besser: Dezent ist hier wirklich gar nichts. Sweatshirts (auch so ein Relikt aus den 1990ern), Shirts, Hosen, Gürtel oder Schals: Das Logo spielt die Hauptrolle.

Gerne mit Marken, die wir in den letzten 20 Jahren vergessen haben, die sich jetzt aber wie Phönix aus der Asche emporheben: Carhartt, Champion, Calvin Klein, Tommy Hilfiger, Supreme oder Fila sind die Brands der Stunde. 

So gehen die Neuniziger heute: Bauchtaschen, Matrix-Brilllen, sehr viel plakatives Logo, Radlerhosen.
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Bauchfrei: Sogenannte Cropped Tops sind schon länger wieder auf dem modischen Tapet zurück.  Zuletzt sahen wir bauchfrei noch an Girlbands wie den Spicegirls. Seit einigen Jahren ist der nackte Bauch nun also wieder auf roten Teppichen und in Modemagazinen zu sehen und – leider – immer mehr auf der Strasse. Denn ganz ehrlich: Dieser Trend sieht an der Durchschnittsfigur nicht immer gut aus. 

Angefangen hat alles  ganz dezent, mit einem Streifen nackter Haut knapp oberhalb vom Nabel. Verkürzte Tops in Kombination mit Hosen oder Röcken mit hohem Bund führten uns langsam an den Trend heran. Doch inzwischen rutscht nicht nur der Hosenbund nach unten, sondern auch der Saum der Tops nach oben (Stichwort Underboobs).

Zeigt her eure Bäuche: Ob eher dezent wie Kaya Gerber und Gigi Hadid oder doch lieber ganz offensiv wie Bella Hadid -– die Körpermitte rückt auch modisch ins Zentrum
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Accessoires: Die Liste an Accessoires aus den 1990er Jahren ist lang. Choker (das sind diese Bändeli, die man um den Hals trägt), Scrunchies (die knautschigen Haargummies aus Materialien wie Samt), Bauchtaschen, Matrix-Brillen, Mini-Rucksäcke, Bucket Hats (hierzulande: Fischerhut, aber das hört sich ziemlich altbacken an), Tennissocken und Netzstrümpfe sind nur einige der Accessoires, die unseren Looks einen Hauch 1990er Jahre einhauchen.

Was gut ist, so müssen wir das Revival nicht von Kopf bis Fuss mitmachen, sondern können uns auf ein paar ausgesuchte Details konzentrieren.

Sonnenbrillen im Mini-Format, Bucket-Hats oder Adiletten mit Tennissocken: Mit den richtigen Accessoires kann man sich modisch um 20 Jahre zurückbeamen.
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Schuhe: Auch an den Füssen sind wir wieder in der Ära von vor 20 Jahren angekommen: Neben klobigen Turnschuhen (Ugly  Dad Sneakers genannt)  und Retro-Sneakern von Fila und Reebok sind auch Mules und die guten alten Buffalos wieder zu sehen.

Für die Generation der Influencer, die die Mode der 90er Jahre nicht aus erster Hand kennt - auch wenn wir das Gefühl haben, es sei doch erst gestern gewesen - bietet die Epoche ein spannendes modisches Tumelfeld, das sie geschickt zu inszenieren und kombinieren weiss.

Retro-Schuhe in grellen Farben und mit klobigen Elementen: Was früher einfach ein Turnschuh war, heisst nun Ugly Dad Sneaker.
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Badeanzüge mit hohem Beinausschnitt: Gegen die Wiederkehr des Badeanzugs ist nichts einzuwenden. Welche Eleganz, welche Grandezza kann ein gut geschnittener Einteiler am Strand oder Pool verbreiten. Nur: Die knallfarbenen Modelle mit ausgesprochen hohem Beinausschnitt gehören da nicht dazu und sahen nur an Pamela Anderson in Baywatch wirklich gut aus.

Wer den ästhetischen Fehlgriff potenzieren möchte: Aufschriften auf der Brust wie Unicorn oder Mermaid lenken die Aufmerksamkeit vom hohen Beinausschnitt auf den Busen. 

Es gibt einen Grund, warum Denim von Kopf bis Fuss lange Zeit verschwunden war. Und Badeanzüge mit hohem Beinausschnitt.
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Materialschlacht: Lange Jahre fristeten sie ein Schattendasein, nun sind sie wieder da: Hosen aus gemütlichem Pannesamt und Chenille-Pullis. Sowie Outfits, die von Kopf bis Fuss aus Jeans bestehen. Erinnern Sie sich noch an den «denkwürdigen» Auftritt von Britney Spears und Justin Timberlake an den American Music Awards? Müssen wir mehr sagen?

Mit dem Aufkeimen des Althelisure-Trends und der Entwicklung neuer Materialien ist es kaum verwunderlich, dass zudem Hightech-Stoffe Einzug in unsere Alltagsgarderobe halten. Schnelltrocknende, atmungsaktive Kleidung passt gut in unsere aktiven Zeit und überbrückt neuerdings auch die Distanz zwischen Business und Freizeit: Ballonseide 2.0 sozusagen.

Hallo Ballonseide! Lange nicht gesehen. Der schicke eingenähte Brustbeutel kommt uns auch noch entfernt bekannt vor.
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Radlerhosen: Sie haben richtig gelesen. Rad-ler-ho-sen. Sind wieder zurück. Werden neuerdings nicht mehr mit überlangen Shirts getragen, sondern ganz selbstbewusst mit bauchfreien Tops. Athleisture, halt.

Um die Silhouette etwas zu umschmeicheln kommen weite Jacken ins Spiel, die wie ein Umhang getragen werden. 

Ganz selbsbewusst mit kurzem Top trägt man die gute alte Radlerhose 2018. Eine Jacke in Übergrösse dient als Kontrast.
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Fairerweise bleibt zu sagen, dass uns das 1990er-Revival auch sehr viele schöne Looks von schlichter Lässigkeit zurückbringt. Labels wie Calvin Klein, Jil Sander oder Closed haben's vorgemacht.

Ihre puren Looks in sanften Farben und mit cleanen Schnitten haben uns schon vor 20 Jahren begeistert. Und tun es heute gerne wieder. Man kann Revivals nämlich auch geschmackvoll umsetzen.

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