Schnelllebige Zeiten hin oder her – diese Versäumnisse sind unheilig

Mark Salvisberg

10.12.2019 - 17:45

Wie hat der Satz noch gleich angefangen?
Bild: iStock

Sie sagte, sie sei in den Ferien gewesen, die sie sehr genossen hat – entdecken Sie den Fehler? Ein Exkurs darüber, wie man Sätze richtig zu Ende führt. 

Was haben wir kurz vor den Feiertagen nicht alle viel um die Ohren. Letztere müssten allerdings vor Scham rot anlaufen – denn untenstehende Fehler passieren wahrscheinlich jedem von uns immer wieder. Sind es etwa die Kommas, die unsere Erinnerungen löschen?

Das Fallvergessen

Das Vermögen des Oligarchen, einem der reichsten Männer Russlands, beträgt zehn Mrd. US-Dollar. – Ein winziges Komma steht zwischen Oligarch und dessen näherer Beschreibung (Apposition), und schon lässt einen das Gedächtnis im Stich. Appositionen mit Artikel müssen denselben Fall aufweisen wie das Bezugswort, hier also: das Vermögen des Oligarchen, eines der reichsten Männer Russlands ...

Nicht nur in Deutschland, auch hierzulande wollen Heerscharen von Menschen «dem Dativ retten». Angesichts dessen wäre wohl der bekannte Sprachlehrer Bastian «sick of it all».

Indirekte-Rede-Erinnerungslücke

Sie sagte, sie sei in den Ferien gewesen, die sie sehr genossen hat. – Sie hat ihre Ferien genossen, diese Information gehört zu ihrer Aussage. Möchte man stilistisch überzeugen, verwendet man die Form der indirekten Rede konsequent auch nach dem Komma, und so heisst es: ... die sie sehr genossen habe.



Schliesslich weiss nur der Feriengast selber, ob seine Aussage auch wirklich zutrifft.

Einzahl, Mehrzahl – mir doch egal!

Er ist einer von drei Vizedirektoren, der die Firma verlassen hat. – Da steht auf der einen Seite des Kommas das Wörtchen Vizedirektoren, also Mehrzahl. Und gleich nach dem Komma folgt das Relativpronomen der, es bezieht sich unmittelbar auf Vizedirektoren, steht aber verwegenerweise in der Einzahl. Dies wohl, weil der Autor sich emotional und fälschlicherweise schon an das Subjekt – er – gehängt hat.

Korrekt heisst es: Er ist einer von drei Vizedirektoren, die die Firma verlassen haben. Relativsätze wie die die Firma verlassen haben beziehen sich in solchen Fällen auf den angehängten Dativ, hier: von drei Vizedirektoren.



Betonen Sie in der Aussprache das Wörtchen drei, dann wird noch klarer, dass es mit dem Plural weitergehen muss.

Folgendes hingegen ist korrekt: Er ist der Einzige in dieser Firma, der noch immer dabei ist. Hier gilt Singular, es geht nur um eine Person. Die Fügung in dieser Firma könnte man auch weglassen, und der Satz wäre immer noch schlüssig.

Schnelllebigkeit hin oder her, die grammatischen Regeln, die die oben genannten Probleme betreffen, werden noch so manche Weihnachten überdauern.

Zur Person: Mark Salvisberg war unter anderem als Werbetexter unterwegs. Der Absolvent der Korrektorenschmiede PBS überarbeitet heute
täglich journalistische Texte bei einer grösseren Tageszeitung.

Bilder des Tages

Zurück zur Startseite