Glockenläuten und Schweigeminute Programm am nationalen Trauertag zu Crans-Montana – das Wichtigste im Überblick

Noemi Hüsser

8.1.2026

Die Schweizer Flagge weht in Bern seit der Brandkatastrophe in Crans-Montana auf halbmast.
Die Schweizer Flagge weht in Bern seit der Brandkatastrophe in Crans-Montana auf halbmast.
Bild: Keystone

Nach der verheerenden Brandkatastrophe in Crans-Montana VS begeht die Schweiz am Freitag, 9. Januar 2026, einen nationalen Trauertag – ein seltenes Ereignis in der Geschichte des Landes. Was du darüber wissen musst.

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Noemi Hüsser, Petar Marjanović

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Nach der Tragödie in Crans-Montana hat Bundespräsident Guy Parmelin den 9. Januar als nationalen Trauertag mit Glockengeläut und Schweigeminute ausgerufen.
  • Staatspräsidenten aus Frankreich und Italien nehmen an der Zeremonie teil, die wegen Wetterbedingungen von Crans-Montana nach Martigny verlegt und live übertragen wird.
  • Nationale Trauertage sind in der Schweiz selten und dienen vor allem als symbolische Gedenkakte.

Nach der Silvester-Katastrophe von Crans-Montana hat Bundespräsident Guy Parmelin gleich am 1. Januar eine Trauerperiode ausgerufen. Die Flaggen aller Schweizer Vertretungen wurden weltweit auf Halbmast gesetzt. Für Freitag, 9. Januar, hat der Bundesrat einen nationalen Trauertag einberufen. blue News erklärt, was das genau bedeutet.

Was passiert am Freitag im Wallis?

Am Freitag findet im Ausstellungs- und Versammlungszentrum Cerm in Martigny, 50 Autominuten von Crans-Montana entfernt, ab 13.45 Uhr eine Gedenkzeremonie statt. Organisiert hat sie der Bund gemeinsam mit der Walliser Staatskanzlei und den Landeskirchen. Das Programm der Feier umfasst Lesungen, symbolische Gesten, musikalische Darbietungen und Ansprachen von Behördenvertretern.

Erwartet werden über 1000 geladene Gäste. Anwesend sein werden Bundespräsident Guy Parmelin, die Bundesräte Ignazio Cassis und Beat Jans sowie Bundeskanzler Viktor Rossi. Eingeladen sind auch die Angehörigen der Opfer, Religionsvertreter und Länder, die entweder direkt von der Tragödie betroffen sind oder ihre Hilfe angeboten haben.

Aus Italien wird Staatspräsident Sergio Mattarella anreisen, aus Frankreich nimmt Präsident Emmanuel Macron teil. Auch die Präsidentin des Europäischen Parlaments, Roberta Metsola, wird teilnehmen.

Ursprünglich sollte der Anlass in einer Kirche in Crans-Montana stattfinden. Aus Sicherheitsgründen und wegen der erwarteten Wetterlage wurde die Gedenkfeier jedoch nach Martigny verschoben.

Die Zeremonie wird live nach Crans-Montana ins Kongresszentrum Le Régent übertragen, wo die Bevölkerung von Crans Montana teilnehmen kann. Auch draussen in Crans-Montana soll es eine Grossleinwand geben.

Was passiert ausserhalb des Wallis?

Der nationale Trauertag wird in der ganzen Schweiz begangen.

Um 14 Uhr werden zudem landesweit die Kirchenglocken läuten. Zunächst werde der Stundenschlag erklingen, anschliessend ein fünfminütiges Glockengeläut als Zeichen des gemeinsamen Innehaltens und der landesweiten Verbundenheit. Der Bundesrat und die christlichen Kirchen laden die Bevölkerung ein, diesen Moment dem Gedenken an die Verstorbenen, der Solidarität mit den Verletzten und ihren Angehörigen sowie dem Dank an alle Einsatzkräfte zu widmen.

In Zürich lädt der Stadtrat um 14.00 Uhr zu einer Schweigeminute auf dem Münsterhof ein, im Anschluss findet ein Gedenkanlass im Fraumünster statt. In Basel versammeln sich Mitglieder von Regierung und Grossem Rat sowie die Bevölkerung auf dem Marktplatz vor dem Rathaus. Am Abend folgt dort eine ökumenische Besinnung in der Offenen Kirche Elisabethen.

Auch der öffentliche Verkehr beteiligt sich sichtbar am Gedenken. Die Schweizerische Bundesbahnen (SBB) setzen die Fahnen an Bahnhöfen auf Halbmast, informieren den ganzen Tag über Bildschirme, Durchsagen und die App über den Trauertag und weisen gezielt auf die Schweigeminute hin. Um 14.00 Uhr wird die Hintergrundmusik an Bahnhöfen abgeschaltet, kurz davor können Zugpfeifen als Zeichen des Gedenkens erklingen.

Die zentrale Gedenkfeier in Martigny wird zudem live im Fernsehen und Radio übertragen, unter anderem auf SRF, RTS und RSI. Damit können Menschen im ganzen Land – und darüber hinaus – an der Zeremonie teilhaben.

Schweizweit bleiben auch zahlreiche Kirchen den ganzen Tag über geöffnet und laden zu Stille, Gebet und persönlichem Gedenken ein. Wo möglich, stehen Seelsorgerinnen und Seelsorger für Gespräche zur Verfügung. Für Menschen, die ihre Anteilnahme schriftlich ausdrücken möchten, hat der Bund ein offizielles Online-Kondolenzbuch eingerichtet.

Wann werden solche Trauertage ausgerufen?

Dass in der Schweiz ein Trauertag stattfindet, ist eher ungewöhnlich. Eigentlich kennt unser Land nationales Trauern kaum. Das sei aufgrund der föderalen Struktur so, erklärt Historiker Sacha Zala gegenüber dem «Tages-Anzeiger». «Aber die Entwicklung in anderen Ländern ist an der Schweiz nicht spurlos vorbeigegangen.»

Das Staatstrauern hat in Ländern wie beispielsweise Grossbritannien mehr Tradition, dort wurde zuletzt beim Tod von Königin Elisabeth II. mehrere Tage lang offiziell getrauert.

«Anders als in anderen Ländern ist der nationale Trauertag in der Schweiz keine rechtliche Institution», heisst es von der Bundeskanzlei. Der Bundesrat könne jedoch zu einem Akt der Trauer oder des Gedenkens einladen. «Eine Verpflichtung von Kantonen oder Privaten durch den Bund, diesen zu beachten oder dafür Beiträge zu leisten – zum Beispiel Arbeitnehmenden einen freien Tag zu gewähren –, ist ohne entsprechende bundesgesetzliche Grundlage nicht möglich.»

Gab es solche Trauertage in der Schweiz bereits?

Einen vergleichbaren Moment der Trauer und des Gedenkens gab es bereits während der Corona-Pandemie 2021. Am 5. März haben landesweit die Kirchenglocken bis zu einer Viertelstunde lang geläutet, um der Opfer zu gedenken. Auch nach dem Zuger Attentat vom 27. September 2001 waren für den 1. Oktober Trauerfeierlichkeiten und eine Schweigeminute angesetzt. Und nach dem Tsunami in Südostasien nach Weihnachten 2004 gab es am 5. Januar 2005 einen nationalen Trauertag.


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