«Ich konnte nicht zurück zu den Heteros, nicht hin zu den Homos»

Bruno Bötschi

18.11.2019 - 11:15

Wolfgang Joop, Modemacher: «Ich will nicht mehr hören, dass einer sagt, dass er schwul ist oder hetero. Die Zeiten sind doch vorbei!»
Bild: Getty Images

Modedesigner, Autor, Künstler und was weiss ich noch alles: Tausendsassa Wolfgang Joop wird heute 75 Jahre alt. Warum Sexualität mitunter komplex ist, das erzählt Joops Lebensgeschichte.

Wolfgang Joop wird heute 75 Jahre alt. Bevor ich dem deutschen Modemacher zum Geburtstag gratuliere, möchte ich Ihnen, liebe Leserinnen, liebe Leser, drei Fragen stellen:

Warum lesen Sie diese Kolumne gerade? Hat Sie die Schlagzeile gwundrig gemacht? Ach was – Sie wussten etwa nicht, dass der Designer seit über 35 Jahren mit einem Mann zusammen ist?

Wolfgang Joop hat sich bisher noch nie als schwul bezeichnet. In einem «Spiegel»-Gespräch von 1996 outete er sich zwar, aber anders als von manchen erwartet: Mal habe er Männer, mal Frauen geliebt – und das sei «eine emotionale Potenz, auf die ich stolz bin».



Und weiter: «Auch wenn Sie's nicht glauben: Ich war meiner Frau 15 Jahre lang treu und hatte die erste Begegnung mit einem Mann erst sehr spät.»

Auch in Joops kürzlich erschienenen Memoiren «Die einzig mögliche Zeit» wartet man vergebens auf DAS Coming-out. Es gibt keines.

Schon immer überholt

Joop ist sich treu geblieben. Er wollte sich sexuell nun einmal nie festlegen lassen. Ob nun schwul, bisexuell oder hetero – diese Unterscheidung war für ihn immer überholt. In einem Interview sagte er einmal: «Ich will nicht mehr hören, dass einer sagt, dass er schwul ist oder hetero. Die Zeiten sind doch vorbei!»

Es ist ein Schicksal, das täglich Tausenden Schwulen, Lesben und Transmenschen widerfährt, sie müssen sich dauernd outen und sagen: «Guten Tag, ich bin homosexuell, lesbisch oder queer.» Hat irgendein heterosexueller Mensch das je gemusst?

Seit über 35 Jahren der Mann an der Seite von Wolfgang Joop: Edwin Lemberg.
Bild: Getty Images

Aus diesem Grund hat sich Wolfgang Joop vor Langem entschieden: «Meine Sexualität hat mit diesen Kategorien nichts zu tun, sie ist meine Privatangelegenheit.»

Aber über sein Sexualleben geredet hat er dann doch ziemlich oft: «Als Bisexueller fühlte ich mich nie richtig zu Hause. Ich konnte nicht zurück zu den Heteros, nicht hin zu den Homos.»

Das queere Daheim von Herr Joop

Hetero oder homo: Das war früher die grosse Frage. Heute ist ein grosser Teil der Welt queer – genauso wie das Daheim von Herr Joop: Gemeinsam mit Partner Edwin Lemberg und Ex-Frau Karin, mit der Joop die zwei erwachsenen Töchter Jette und Florentine hat, lebt der Modeschöpfer auf dem Gut am Park von Sanssouci in Potsdam bei Berlin.



Und dorthin entsende ich nun die nun längst überfälligen Glückwünsche: Lieber Herr Joop, alles Gute zum Geburtstag.

Geniessen Sie den Tag zusammen mit ihrem Lieblingsmann Edwin. Sie wollten ja eigentlich abhauen und den Tag in der Ferne verbringen – ganz ohne Feier, in Marrakesch, weil «viele Ältere auf einem Haufen unappetitlich wirken».

Aber da lese ich, dass Sie jüngst im Badezimmer ausgeruscht sind und sich einen Verrenkungsbruch am Bein zugezogen haben. Deshalb nicht nur alles Gute, sondern auch gute Besserung!

Auf «Bluewin» gibt es regelmässig bis unregelmässig um 12 Uhr die Kolumne am Mittag. Geht es heute um Modemacher Wolfgang Joop, war letzte Woche von Sophia Thomalla die Rede, von Grace Kelly und ein bisschen Lady Di, von Prinz Philip und Prinzessin Meghan, von Heidi Klum und von Pete Doherty und Kate Moss.

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