Schweiz öffnet am 15. Juni Grenze zu Österreich – Basel plant Rettung der Nachtkultur

Agenturen/red.

3.6.2020 - 22:00

Nach drei Monaten: Italien öffnet Grenzen für EU-Bürger

Nach drei Monaten: Italien öffnet Grenzen für EU-Bürger

Viele Italiener haben diesen Tag sehnsüchtig erwartet: Sie dürfen wieder frei im Land reisen, die Grenzen für europäische Urlauber sind offen. Doch Normalität sieht immer noch anders aus.

03.06.2020

Der Ständerat sagt ja zum Gesetz, dass es für die Schweizer Proximity-Tracing-App braucht. Ausserdem öffnet die Schweiz am 15. Juni die Grenzen zu Österreich und der Basler Grosse Rat initiiert eine Taskforce zur Rettung der Nachtkultur. Die Entwicklungen des Tages im Überblick.

Laut Zahlen der John-Hopkins-Universität liegt die Anzahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus in der Schweiz bei bislang insgesamt 30'893 Personen; davon gelten 28'600 als genesen. 1'921 Menschen sind in der Schweiz in Verbindung mit Covid-19 verstorben. In der Schweiz wurden am Mittwoch 19 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus verzeichnet. Weltweit stieg die Zahl der Infizierten auf 6'445'457, die Zahl der Toten auf 382'451.

Im Zuge der Lockerungen öffnen immer mehr Länder ihre Grenzen. Die Schweiz wird die vollständige Grenzöffnung zu Österreich und Deutschland am 15. Juni vollziehen. Die Schweiz, Österreich und Deutschland hatten bereits am 16. Mai eine Reihe von Lockerungen im Grenzverkehr zwischen den drei Ländern in Kraft gesetzt. Ab dem 15. Juni sind dann auch der Einkaufstourismus und die Einreise in die Schweiz aus touristischen Gründen wieder erlaubt.

Der Ständerat hat zudem die Proximity-Tracing-App durchgewinkt. Damit sie spätestens Ende Juni der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden kann, ist eine Änderung des Epidemiengesetzes notwendig. Der Bundesrat hat dem Parlament auf dessen Wunsch eine entsprechende Vorlage vorgelegt.

Eine spezielle Taskforce soll sich in Basel um die von der Corona-Krise besonders betroffene Nachtkultur kümmern. Der Basler Grosse Rat hat eine entsprechende Motion der SP zur dringlichen Behandlung an die Regierung überwiesen – mit 76 gegen 12 Stimmen bei sechs Enthaltungen.

Ab dem 6. Juni können die Coiffeurgeschäfte in der Schweiz wieder ihre volle Kapazität nutzen – natürlich unter Einhaltung der Schutzmassnahmen. So ist das Tragen von Maske sowohl für die Coiffeure als auch für die Kunden obligatorisch. Hygienemassnahmen wie Händewaschen und Desinfektion der Werkzeuge und des Arbeitsbereichs gehören ebenfalls dazu.

Ereignisse des Tages im Überblick

Das Wichtigste im Überblick

  • Coiffeure dürfen Ladenfläche wieder voll nutzen.
  • In Basel soll eine Taskforce Nachkultur eingesetzt werden.
  • Das Bundesamt für Gesundheit registriert 19 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus.
  • Schweiz öffnet am 15. Juni die Grenze zu Österreich.
  • Spanien verlängert den Corona-Notstand.
  • Schwedens Staatsepidemiologe Anders Tegnell beurteilt den Sonderweg seines Landes in der Pandemie kritisch.
  • Der Ständerat sagt Ja zur Gesetzesgrundlage für die Schweizer Covid-19-Tracing-App.
  • Das Bruttoinlandprodukt der Schweiz ist wegen der Corona-Krise im ersten Quartal um 2,6 Prozent gesunken. 
  • Deutschland, Frankreich, Italien und Niederlande schliessen Impfbündnis.
  • Italien-Reisenden könnten Quarantäne und Bussgelder drohen.
  • US-Präsident Donald Trump will den für August geplanten Parteitag der Republikaner wegen Corona-Auflagen verlegen.

22.00 Uhr: Wir beenden unseren heutigen Ticker

21.38 Uhr: Grossdemo gegen Rassismus in Stockholm trotz Corona-Beschränkungen

Trotz des Verbots von Versammlungen mit mehr als 50 Teilnehmern haben Tausende Menschen in Stockholm gegen Rassismus protestiert. Die Demonstranten versammelten sich am Mittwochabend zunächst auf dem zentralen Platz Sergels Torg, ehe die Polizei die Versammlung aufgrund der grossen Menschenmenge aufzulösen versuchte. Unzählige Protestteilnehmer zogen darauf über die grösseren zentralen Strassen der schwedischen Hauptstadt und brachten nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in den USA immer wieder ihre Solidarität mit Schwarzen und der Bewegung «Black Lives Matter» (Schwarze Leben zählen) zum Ausdruck.

Schwedische Medien sprachen übereinstimmend von einigen Tausend Teilnehmern, die Polizei gab zunächst keine Schätzung bekannt. Trotz der im Vergleich zu anderen Ländern lockereren Massnahmen der Schweden im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie gilt in dem skandinavischen EU-Land ein Verbot von öffentlichen Versammlungen mit mehr als 50 Teilnehmern – eine Zahl, die bereits vor Beginn der angemeldeten Demonstration klar überschritten wurde.

20.53 Uhr: Tests mit Hydroxychloroquin dürfen weiter gehen

Mehrere ausgesetzte Tests mit dem Malaria-Medikament Hydroxychloroquin bei Covid-19-Erkrankten können wieder aufgenommen werden. Experten hätten sämtliche Daten erneut überprüft und seien zu dem Schluss gekommen, dass nichts gegen eine Fortsetzung der Tests spreche, sagte der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, am Mittwoch in Genf.

Das Mittel war Bestandteil einer von der WHO koordinierten Forschungsreihe mit mehr als 3'500 Patienten in 35 Ländern. Dabei wird untersucht, ob verschiedene schon vorhandene Medikamente etwa gegen Malaria, HIV, Ebola und Multiple Sklerose einen Effekt gegen Covid-19 haben. Nach einem Bericht in der Fachzeitschrift «The Lancet», dass Hydroxychloroquin womöglich die Todesrate erhöhen könnte, waren die Versuche Ende Mai vorübergehend ausgesetzt worden. Das sei eine Vorsichtsmassnahme gewesen, die nach Urteil der Experten nicht mehr nötig sei, sagte Tedros. Soumya Swaminathan, Chefwissenschaftlerin der WHO, betonte aber: «Es gibt bislang keine Beweise, dass irgendein Medikament die Mortalität reduziert.»

Unter anderem hatte ein Artikel im Fachjournal «Nature» sich Ende Mai kritisch über die Studie in «The Lancet» geäussert und dazu, dass daraufhin viele Studien zu Hydroxychloroquin ausgesetzt worden waren. US-Präsident Donald Trump hatte Hydroxychloroquin wiederholt als Wundermittel gepriesen. Zuletzt sorgte er für Aufregung mit der Aussage, er nehme das Medikament prophylaktisch ein, um sich vor dem Virus zu schützen.

20.24 Uhr: Coiffeure dürfen Ladenfläche wieder voll nutzen

Ab dem 6. Juni können die Coiffeurgeschäfte in der Schweiz wieder ihre volle Kapazität nutzen. Die Schutzmassnahmen des BAG gelten nach wie vor, um den Schutz von Mitarbeitern und Kunden zu gewährleisten. Dies teilte Coiffure Suisse am Mittwochabend mit.

Um Entlassungen und mögliche Konkurse zu vermeiden, müssen die Salons nach Ansicht von Coiffure Suisse nun wieder voll genutzt werden. Nach Konsultationen mit den Sozialpartnern sei das Schutzkonzept in dieser Hinsicht angepasst worden, heisst es in einer gemeinsamen Mitteilung von Coiffure Suisse und den Gewerkschaften Syna und Unia.

Für Coiffeure ist ab dem 6. Juni ein weiterer Schritt in Richtung Normalität getan. (Symbolbild)
Bild: Keystone

Coiffure Suisse bekräftigt die Anwendung aller Gesundheitsmassnahmen, beginnend mit der zu respektierenden Regel der sozialen Distanz von zwei Metern. Sollte dies nicht möglich sein, müssen technische Massnahmen wie z.B. die räumliche Trennung der Arbeitsplätze in Betracht gezogen werden.

Darüber hinaus bleibt das Tragen der Maske sowohl für Coiffeure als auch für Kunden obligatorisch. Hygienemassnahmen wie Händewaschen und Desinfektion der Werkzeuge und des Arbeitsbereichs vor jedem Kunden sowie weitere Punkte des Schutzkonzepts sind ebenfalls obligatorisch. Um die Mitarbeitenden, die den ganzen Tag Masken tragen müssen, zu entlasten, werden die Arbeitgeber dazu angehalten, für ihre Mitarbeitenden regelmässige Pausen an der frischen Luft vorzusehen.

20.09 Uhr: Quarantäne im Grossraum Santiago de Chile verlängert

Angesichts weiter steigender Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus hat die chilenische Regierung die strengen Ausgangsbeschränkungen im Ballungsraum rund um die Hauptstadt Santiago de Chile um eine weitere Woche bis zum 12. Juni verlängert. «In der Metropolregion Santiago sind wir seit drei Wochen in Quarantäne. Das ist ein enormes Opfer für die Bürger, aber wir müssen verstehen, dass diese Massnahmen auch befolgt werden müssen», sagte Gesundheitsminister Jaime Mañalich am Mittwoch.

Die Mobilität der Menschen habe trotz der Ausgangsbeschränkungen nur um 30 Prozent nachgelassen. Das sei zu wenig, sagte der Ressortchef. Insgesamt leben in der Region etwa acht Millionen Menschen – das entspricht gut 40 Prozent der Gesamtbevölkerung Chiles.



Bislang haben sich in Chile 113'628 Menschen nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Damit liegt Chile nach Brasilien und Peru an dritter Stelle in Südamerika. 1'275 Patienten sind im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Viele Krankenhäuser haben ihre Belastungsgrenze bereits erreicht.

Zuletzt gab es in mehreren Gemeinden im Grossraum Santiago zum Teil heftige Proteste, weil die Menschen seit Wochen nicht mehr zur Arbeit können und es kaum soziale Absicherung gibt. Die konservative Regierung von Präsident Sebastián Piñera liess daraufhin Lebensmittelpakete verteilen.

19.40 Uhr: Corona-Notstand in Spanien verlängert

In Spanien ist der umstrittene Corona-Notstand zum sechsten und damit wohl letzten Mal um weitere zwei Wochen bis zum 20. Juni verlängert worden. Im Parlament stimmten am Mittwochabend 177 Abgeordnete für den Antrag von Regierungschef Pedro Sánchez. Es gab 18 Enthaltungen. Die Zustimmung wurde möglich, weil Sánchez als Chef einer Minderheitsregierung dank Absprachen mit den liberalen Ciudadanos und regionalen Parteien zusätzliche Stimmen auf seine Seite bringen konnte.



Mit Nein stimmten 155 Abgeordnete der oppositionellen konservativen Partido Popular (PP) und der rechtspopulistischen Vox-Partei. Sánchez hatte vor der Abstimmung im Parlament in Madrid für die Verlängerung geworben: «Das Virus ist der Feind, und die Politik muss dazu dienen, dass wir es vereint bekämpfen.»

19.04 Uhr: Schweiz öffnet am 15. Juni Grenze zu Österreich

Österreich hat beschlossen, die Grenz- und Gesundheitskontrollen zu sieben Nachbarländern, darunter die Schweiz, am 4. Juni aufzuheben. Die Schweiz ihrerseits wird die vollständige Grenzöffnung zu Österreich, Deutschland und Frankreich wie vorgesehen am 15. Juni vollziehen. Dies teilte das Staatssekretariat für Migration (SEM) am Mittwochabend mit.

Die Schweiz, Österreich und Deutschland hatten bereits am 16. Mai eine Reihe von Lockerungen im Grenzverkehr zwischen den drei Ländern in Kraft gesetzt. Die Grenzübergänge zwischen der Schweiz und Österreich sind seither geöffnet; es finden lediglich risikobasierte, aber keine systematischen Grenzkontrollen mehr statt.

Seit dem 16. Mai gelten auch keine grenzsanitarischen Massnahmen mehr für die Einreise aus der Schweiz nach Österreich. Schweizerische und liechtensteinische Staatsangehörige sowie Personen mit einer Schweizer Aufenthaltsbewilligung, die ab dem 4. Juni nach Österreich reisen, dürfen danach in die Schweiz zurückkehren.

Der Einkaufstourismus zwischen den beiden Ländern und die Einreise in die Schweiz aus touristischen Gründen sind erst ab dem 15. Juni wieder erlaubt. Die Durchreise nach und aus Österreich durch die Schweiz ist nur möglich, wenn die Person wieder aus der Schweiz ausreist.

18.51 Uhr: Deutschland, Frankreich, Italien und Niederlande schliessen Impfbündnis

Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande haben sich zusammengeschlossen, um die Herstellung eines Corona-Impfstoffs in Europa voranzutreiben. Ziel der «Inklusiven Impfallianz» sei die Herstellung eines Impfstoffs «auf europäischem Boden, wo immer dies möglich ist», teilte das niederländische Gesundheitsministerium am Mittwoch mit. Die vier Länder untersuchen demnach «gemeinsam verschiedene vielversprechende Initiativen» und führen Gesprächen mit diversen Pharmaunternehmen.

Um möglichst schnell einen Impfstoff zu erhalten, seien eine gemeinsame Strategie und gemeinsame Investitionen notwendig, hiess es in der Mitteilung weiter. Künftige Impfstoffe sollten neben der EU auch anderen Ländern, insbesondere ärmeren afrikanischen Staaten, zugute kommen. Mit den Pharmaunternehmen solle zudem vereinbart werden, dass ein Impfstoff für die EU «allgemein zugänglich, verfügbar und erschwinglich» sein muss.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt es weltweit schon mehr als hundert Projekte zur Entwicklung eines Corona-Impfstoffes. Die vielen Forschungsprojekte nähren die Hoffnung, dass die Pandemie bald mit einer Impfung gebremst werden könnte.

18.34 Uhr: UNO kritisiert Zunahme von Zensur in Asien während Corona-Pandemie

UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet hat China und anderen asiatischen Staaten vorgeworfen, in der Corona-Krise die Meinungsfreiheit zu beschneiden. Bachelet erklärte am Mittwoch in Genf, in mehreren asiatischen Ländern habe sich die staatliche Zensur seit Beginn der Pandemie verschärft. Menschen seien willkürlich für Kritik an ihren Regierungen festgenommen worden oder schlicht, weil sie Informationen über die Pandemie verbreitet hätten.

In China etwa habe das UN-Menschenrechtsbüro Hinweise auf «mehr als ein Dutzend Fälle erhalten, in denen Mediziner, Wissenschaftler oder normale Bürger festgenommen oder angeklagt wurden, weil sie ihre Meinung oder Informationen zu Covid-19 öffentlich geäussert» oder die Massnahmen der Regierung kritisiert hatten.

In Indien seien mehrere Journalisten und mindestens ein Arzt wegen Kritik am Krisenmanagement der Behörden angeklagt worden. In Indonesien werde gegen mindesten 51 Menschen ermittelt, weil sie angeblich Falschnachrichten zur Pandemie verbreitet haben sollen. In Kambodscha seien 30 Menschen wegen Äusserungen zu Corona festgenommen worden, darunter ein 14-jähriges Mädchen.

Vietnam hat den Angaben zufolge mehr als 600 Facebook-Nutzer zu Befragungen wegen Äusserungen in dem Online-Netzwerk vorgeladen.  Festnahmen wegen öffentlicher Kritik oder angeblicher Verbreitung von Falschinformationen seien asserdem aus Bangladesh, Malaysia, Myanmar, Nepal, den Philippinen, Sri Lanka und Thailand gemeldet worden, erklärte die UNO.

Bachelet sagte, sie erkenne die Notwendigkeit, Desinformation zum Schutz der öffentlichen Gesundheit oder von Minderheiten einzuschränken. Das dürfe aber nicht zu gezielter oder unbeabsichtigter Zensur führen. «In diesen unsicheren Zeiten muss es Medizinern, Experten, Journalisten, Verteidigern der Menschenrechte und der Öffentlichkeit möglich sein, ihre Meinung zu sagen», sagte Bachelet.

«Regierungen können ein berechtigtes Interesse daran haben, die Verbreitung von Falschinformationen zu kontrollieren», sagte die UN-Kommissarin. Dies müsse jedoch verhältnismässig und unter Achtung der Meinungsfreiheit geschehen. «Die Krise darf nicht missbraucht werden, um Dissens oder den freien Informationsaustausch zu beschränken.»

18.28 Uhr: Belgien öffnet Grenzen zum 15. Juni

Belgien hebt seine wegen der Corona-Pandemie verhängten Reisebeschränkungen zum 15. Juni auf. Reisen in und aus Ländern der EU und des Schengen-Raums seien dann wieder ungehindert möglich, sagte Regierungschefin Sophie Wilmès am Mittwoch in Brüssel. Darüber hinaus kündigte sie an, die Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus erlassen worden waren, ab kommender Woche weitgehend wieder zurückzunehmen.

«Die Situation ist besser, als wir gedacht hätten», sagte Wilmès. Die Entwicklung der Virus-Ausbreitung in Belgien sei insgesamt ermutigend, eine Rückkehr zur Normalität möglich. Ab Montag könnten deshalb etwa Bars und Restaurants wieder öffnen, «vorausgesetzt sie halten sich an strikte Vorgaben».

Nach den neuen Regeln dürfen maximal zehn Menschen am selben Tisch sitzen, zwischen den Tischen sind anderthalb Meter Mindestabstand vorgeschrieben, das Personal muss Schutzmasken tragen und es gilt eine Sperrstunde um 01.00 Uhr nachts.

Belgien hatte im März als Reaktion auf die Pandemie eine strenge Ausgangssperre verhängt. Die Menschen durften nur noch in Ausnahmefällen das Haus verlassen, Besuche bei Freunden und Familie waren untersagt. Die meisten Geschäfte, Restaurants und Bars mussten schliessen und an den Grenzen wurde systematisch kontrolliert.

Von belgischer Seite aus wird es nun vom 15. Juni an keine Beschränkungen mehr bei Reisen ins EU-Ausland sowie nach Grossbritannien, Norwegen, Island, Liechtenstein und in die Schweiz geben.

Beschränkungen im Alltag gelten in Belgien demnach weiterhin für Veranstaltungen im Kultur- und Sportbereich, die ab kommender Woche nur ohne Publikum erlaubt werden. Theater, Kinos und Casinos dürfen dann am 1. Juli wieder ihren normalen Betrieb aufnehmen. Grossveranstaltungen bleiben bis mindestens August untersagt. Nachtclubs dürfen voraussichtlich erst im September wieder öffnen.

18.14 Uhr: Basler Grosser Rat will eine Taskforce Nachtkultur einsetzen lassen

Eine spezielle Taskforce soll sich in Basel um die von der Corona-Krise besonders betroffene Nachtkultur kümmern. Der Basler Grosse Rat hat eine entsprechende Motion der SP zur dringlichen Behandlung an die Regierung überwiesen.

Die Taskforce solle sich aus Vertretern der betroffenen Branchen und der Verwaltung zusammensetzen, fordert die Motion. Sie soll die Probleme lokalisieren und nachhaltige Lösungen entwickeln.

Die Motionäre bezeichnen die stark diversifizierte Nachtkultur als eine von den Pandemie-Massnahmen besonders betroffene Branchengruppe. Sie werde auch nach den letzten, vom Bundesrat beschlossenen und kommunizierten Lockerungsmassnahmen nicht aus ihrer existenzbedrohenden Lage befreit.

Ein Sprecher der LDP bezeichnete die vorgeschlagene Taskforce als sinnloses Instrument. Das Hauptproblem, nämlich die vom Bundesrat verordnete zwingende Sperrstunde um Mitternacht, könne ein kantonales Gremium nicht lösen. Es werde nichts anderes übrigbleiben, als erneut Gelder zu sprechen.

Dem widersprachen Sprecherinnen und Sprecher von der SP bis SVP. Es solle eben darum gehen, kreative Modelle und Lösungen zu finden, die über finanzielle Nothilfe hinausgehen.

Die zuvor mit einem Zweidrittelsmehr als dringlich erklärte Motion wurde schliesslich mit 76 gegen 12 Stimmen bei sechs Enthaltungen an die Regierung überwiesen. Diese hatte sich zuvor bereit erklärt, den Auftrag entgegenzunehmen.

17.22 Uhr: Gehbehinderter Bub läuft Marathon im Lockdown

Ein schwerbehinderter Neunjähriger hat im englischen Sheffield einen Marathon bewältigt und damit eine erhebliche Spendensumme eingesammelt. Am Sonntag vollendete Tobias Weller, der unter einer Zerebralparese leidet, die Strecke von 42 Kilometern mit seiner Gehhilfe, wie mehrere englische Fernsehsender berichteten.

Eine Zerebralparese ist eine Gehirnstörung, die mit erheblichen Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit einhergeht. Mit der Herausforderung des Marathons hatte der Junge, der laut der BBC ohne Hilfe nicht stehen oder laufen kann, einen Tag vor dem Corona-Lockdown in Grossbritannien begonnen. In den vergangenen 70 Tagen bewältigte er immer wieder kleine Teilstrecken in seiner Wohngegend. «Als wir den Marathon anfingen, legte er 50 Meter am Tag zurück, und jetzt schafft er 750 Meter», sagte seine vor Stolz berstende Mutter Ruth Garbutt dem Sender Sky.

Für die finale Strecke sperrte die Polizei eine Strasse nahe seines Hauses, wo Weller unter dem Klatschen und Jubel von Nachbarn und weiteren Unterstützern das Zielband durchlief. Mit dem Marathon hatte er Spenden für seine Schule und Sheffields Kinderkrankenhaus sammeln wollen. Aus den ursprünglich erhofften 500 Pfund wurden am Ende laut BBC 46'000 Pfund (55'770 Franken).

16.51 Uhr: Brasilien meldet Negativ-Rekord bei Toten

An nur einem Tag hat Brasilien 1'262 Corona-Tote und damit einen neuen Negativ-Rekord registriert. Dies geht aus den Daten des Gesundheitsministeriums in Brasília vom Dienstagabend (Ortszeit) hervor. Im März war in Brasilien der erste Todesfall im Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet worden, ein 62 Jahre alter Mann. Seither sind noch nie so viele Infizierte an einem einzigen Tag gestorben.

Die Gesamtzahl der Corona-Toten stieg in dem mit 210 Millionen Einwohnern grössten Land Lateinamerikas auf 31'199. Das Ministerium meldete auch 28'936 Neuinfektionen, insgesamt lag die Zahl der Infizierten bei 555'383.

Brasilien rangiert nach den Daten der US-Universität Johns Hopkins bei der Zahl der Todesopfer damit weiter auf Platz vier, bei der Zahl der Infizierten auf Platz zwei der am schwersten betroffenen Länder – hinter den Vereinigten Staaten. Die tatsächliche Zahl dürfte unter anderem wegen fehlender Tests und noch nicht ausgewerteter Laborergebnisse weit höher liegen. Wissenschaftliche Studien legen nahe, dass die Zahl der Infizierten mindestens sieben Mal höher ist als bislang bekannt.

16.37 Uhr: Österreich öffnet Grenzen

Österreich setzt nach rund drei Monaten der Reisebeschränkungen zu seinen Nachbarländer aufgrund der Corona-Pandemie wieder auf Reisefreiheit. Alle Grenzbeschränkungen zu Deutschland, Liechtenstein, der Schweiz, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn würden diese Woche aufgehoben, sagte Aussenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) am Mittwoch in Wien.

Einzige Ausnahme ist Italien. Dort bleiben die Beschränkungen bestehen, kommende Woche soll die nächste Einschätzung erfolgen. Die Regierung in Wien sei im regen Kontakt mit Rom. Der Plan sei eine Öffnung zu Italien, sobald es die Zahlen zuliessen.

Für die übrigen sieben Nachbarländer gilt der Zustand von vor Corona-Zeiten. Bei der Einreise von diesen Staaten nach Österreich gibt es dann keine Quarantäne oder verpflichtende Test-Ergebnisse mehr.

Österreich öffnet seine Grenzen zu sieben Nachbarländern – Italien bleibt aber noch aussen vor. (Symbolbild)
Bild: Keystone

16.15 Uhr: Drosten legt überarbeitete Studie vor

In einer überarbeiteten Fassung seiner Studie zur Infektiosität von Kindern in der Corona-Krise hält das Forscherteam um den Berliner Virologen Christian Drosten an seiner grundlegenden Aussage fest.

Es gebe keine Hinweise darauf, dass Kinder im Bezug auf Sars-CoV-2 nicht genauso ansteckend seien wie Erwachsene, heisst es in der aktualisierten Version der deutschen Studie. Sie ist noch nicht in einem begutachteten Fachjournal erschienen, sonder wurde als sogenannter Preprint veröffentlicht.

Ein erster Entwurf der Untersuchung war Ende April veröffentlicht worden und hatte in Deutschland Kritik und teils heftige Auseinandersetzungen nach sich gezogen. Die Forscher hatten aufgrund ihrer Ergebnisse vor einer uneingeschränkten Öffnung von Schulen und Kindergärten in Deutschland gewarnt.

Kritik hatte es vor allem an der statistischen Auswertung der Daten gegeben. Die angewandten Methoden seien nicht geeignet, hiess es von Wissenschaftlern unter anderem.

«In der neuen Version der Studie werden die Kommentare, die es zur statistischen Analyse der ersten Fassung gab, aus meiner Sicht überzeugend eingearbeitet», urteilt Christoph Rothe, Statistiker von der Universität Mannheim auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur nach einer ersten Durchsicht der überarbeiteten Ergebnisse. Er gehörte zu den Forschern, die die statistischen Methoden in der ursprünglichen Analyse kritisiert hatten.

15.50 Uhr: Steuerreduktion für Bars und Restaurants

Der Regierungsrat des Kantons Tessin entlastet Bars und Restaurants mit einer Steuerreduktion um 30 Prozent. Dies teilte die Regierung am Mittwochnachmittag mit.

Betroffen von der Reduktion sind die Steuern auf Alkohol sowie die Abgaben für regionale Tourismusförderung. Zudem hat der Regierungsrat entschieden, den entsprechenden Betrag anstelle der Bars und Restaurants an die regionalen Tourismusorganisationen sowie Tessin Tourismus zu bezahlen. Den Kanton kostet dies rund 400'000 Franken.

Die am Mittwoch verabschiedete Massnahme sei zumindest teilweise eine Antwort auf die Schwierigkeiten, in denen sich die Gastrobranche aufgrund der Coronavirus-Pandemie befinde, schreibt die Regierung in ihrer Mitteilung. Im Tessin blieben die Bars und Restaurants vom 14. März bis zum 11. Mai geschlossen.

Der Regierungsrat spreche mit seinem Entscheid auch den Tourismusorganisationen des Kantons Tessin sein Vertrauen aus.

15.38 Uhr: Schweizer Hilfe wird bei Lufthansa angerechnet

Die Lufthansa muss sich Hilfsgelder für Töchter im Ausland wohl auf das Rettungspaket der deutschen Bundesregierung anrechnen lassen. In der Schweiz hatte die Politik entschieden, die Lufthansa-Töchter Swiss und Edelweiss mit 1,275 Milliarden Franken zu unterstützen.

Daneben könnte der Lufthansa-Konzern noch aus Österreich (Tochter: Austrian Airlines) und Belgien (Tochter: Brussels) staatlich garantierte Kredite erhalten. Insgesamt könnte sich die Summe auf rund zwei Milliarden Euro belaufen.

Diese würden von den geplanten 9 Milliarden Euro aus Deutschland abgezogen, wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr bei der Vorlage der Quartalszahlen am Mittwoch in Frankfurt sagte. Die Summe gehe dann von dem Kredit der deutschen Staatsbank KfW ab, der sich auf 3 Milliarden Euro belaufen soll.

15.20 Uhr: Schweizer Wirtschaft noch tiefer im Minus

Die Konjunkturforscher von BAK Economics korrigieren ihre BIP-Prognose für 2020 erneut nach unten. Wegen der Coronakrise erwarten sie nun einen Rückgang des Bruttoinlandprodukts (BIP) von 5,8 Prozent. Bislang waren sie von einem Einbruch von 5,3 Prozent ausgegangen.

Die Corona-Krise habe der Schweizer Wirtschaft bereits im ersten Quartal einen kräftigen Einbruch beschert, der sich nun im laufenden zweiten Quartal nochmals akzentuiert dürfte, teilte das BAK mit.

14.30 Uhr: WHO warnt Russland vor Parade

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Russland vor den Militärparaden und vor dem Verfassungsreferendum aufgerufen, sich an die Corona-Empfehlungen bei Massenveranstaltungen zu halten.

Auch bei Grossereignissen im Freien müssten Abstand gehalten und Hygienevorschriften beachtet werden, sagte die WHO-Vertreterin in Russland, Melita Vujnovic, bei einer Videokonferenz. In Russland gibt es täglich mehr als 8'000 neue Corona-Infektionen. Trotzdem hat Präsident Wladimir Putin die am 9. Mai zunächst abgesagte Parade zum 75. Jahrestag des Sieges der Sowjetunion über Hitler-Deutschland nun für den 24. Juni angesetzt.

Am 1. Juli will Putin zudem bei einer Volksabstimmung über die grösste Verfassungsänderung der russischen Geschichte abstimmen lassen, mit der er weitere Jahre im Amt bleiben könnte.

14.10 Uhr: Ärger wegen Schlauchbootparty

Ein Party-Protest mit 400 Schlauchbooten auf einem innerstädtischen Kanal zu Pfingsten schlägt in der deutschen Hauptstadt Berlin hohe Wellen. Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn mahnte angesichts der Corona-Gefahr zur Disziplin.

«Diese Bilder bereiten mir Sorgen», schrieb der Minister auf Twitter. «Beim Feiern verbreitet sich das Virus besonders leicht.» Zwar seien die Infektionszahlen in Deutschland aktuell auf niedrigem Niveau. «Gleichwohl sind wir noch mitten in der Pandemie. Lasst uns das Erreichte sichern und weiterhin im Alltag aufeinander Acht geben», schrieb Spahn.

Am Sonntag hatten sich unter dem Motto «Für die Kultur – Alle in einem Boot» etwa 1'500 Menschen am und auf dem Landwehrkanal im Berliner Stadtteil Kreuzberg versammelt. Nach Angaben der Berliner Clubcommission handelte es sich um eine Initiative von einzelnen Akteuren aus der Clubszene.

12.52 Uhr: Bund registriert 19 neue Fälle

In der Schweiz und in Liechtenstein sind innerhalb eines Tages 19 neue Ansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet worden. Am Vortag waren es deren drei, am Montag neun.

Insgesamt gab es 30'893 laborbestätigte Fälle, wie das Bundesamt für Gesundheit (BAG) mitteilte. Die Fallzahlen unterliegen einer wöchentlichen Schwankung mit tieferen Zahlen am Wochenende. Viele Kantone haben die Zahlen über das Pfingstwochenende nicht aktualisiert.

12.45 Uhr: Selbstkritik an Schwedens Sonderweg

Schwedens Staatsepidemiologe Anders Tegnell hat sich erstmals selbstkritisch über den schwedischen Sonderweg in der Corona-Krise gezeigt. Schweden hätte schon von Beginn an mehr Massnahmen im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus ergreifen sollen, sagte Tegnell in einem Interview mit dem schwedischen Radio. «Ich glaube, dass es sicherlich Verbesserungspotenzial bei dem gibt, was wir in Schweden gemacht haben, klar. Und es wäre gut gewesen, wenn man exakter gewusst hätte, was man schliessen soll, um die Infektionsausbreitung besser zu verhindern.» Zu viele Schweden seien zu früh gestorben.

Schweden wählte einen Sonderweg bei der Bekämpfung des Coronavirus: Auf Schliessungen wurde im Gegensatz weitgehend verzichtet – hier ein Park in Stockholm.
Bild: Keystone/EPA/Henrik Montgomery

Würde man mit dem heutigen Wissensstand auf dieselbe Erkrankung stossen, läge der richtige Weg seiner Ansicht nach zwischen dem schwedischen und dem, den der Rest der Welt eingeschlagen habe, sagte Tegnell. Der Wissenschaftler steht federführend hinter der schwedischen Strategie gegen die Pandemie. Das skandinavische EU-Land hatte deutlich freizügigere Massnahmen ergriffen als der Rest Europas. 

12.20 Uhr: Spanien will Notstand ein letztes Mal verlängern

Im Corona-Hotspot Spanien hat die linke Regierung die sechste und letzte Verlängerung des umstrittenen Notstandes bis zum 20. Juni beantragt. «Das Virus ist der Feind, und die Politik muss dazu dienen, dass wir es vereint bekämpfen», sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez im Parlament in Madrid in Richtung der konservativen Opposition, die gegen den Antrag stimmen will. Es wurde dennoch erwartet, dass der Antrag der Minderheitsregierung am Abend dank Absprachen mit den liberalen Ciudadanos und regionalen Parteien angenommen wird.

11.42 Uhr: Mieten steigen an

Neumieter konnten sich wegen der Pandemie kurzzeitig über leicht tiefere Mieten freuen. Doch nach dem Einbruch im April sind Mietwohnungen im Mai nun wieder teurer geworden. Gemäss dem von ImmoScout24 in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen IAZI erhobenen Swiss Real Estate Offer Index stiegen die in Inseraten ausgeschriebenen Mietpreise im Mai landesweit um 0.5 Prozent. Damit sei der Rückgang im April von Minus 0.7 Prozent fast wieder wettgemacht.

11.24 Uhr: Wasserspiel wird wieder aufgenommen

Ab kommenden Montag sieht der Berner Bundesplatz wieder anders aus: Das Wasserspiel mit seinen 26 Fontänen wird, nach einer Corona-Pause, wieder in Betrieb genommen. Bis etwa Ende Oktober ist die Attraktion zu sehen.

10.50 Uhr: Deutschland hebt Reisewarnung für EU auf

Die deutsche Bundesregierung hebt die Reisewarnung für die Länder der EU ab 15. Juni auf. Das gab Aussenminister Heiko Mass vor den Medien in Berlin bekannt.

10.35 Uhr: Pandemie brachte Wald viele neue Freunde

Der Lockdown wegen der Coronakrise hat die Spazier-Gewohnheiten der Bevölkerung massgeblich beeinflusst: Wer normalerweise viel in den Wald ging, reduzierte nun die Besuche, dafür fand der Forst viele neue Freunde.

Dank eines einzigartigen Zufalls konnten die Veränderungen bei Waldbesuchen statistisch ermittelt werden: Die Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL hatte gerade ihre dritte zehnjährliche Umfrage «Waldmonitoring Soziokulturell» (WaMoS) unter 8'000 Personen beendet, als im März der Lockdown verhängt wurde. Eine Wiederholung der Befragung bei 1'000 Teilnehmern erlaubte konzise Rückschlüsse auf die Änderungen der Gewohnheiten.

9.07 Uhr: Ständerat gibt Grünes Licht für Swiss-Covid-App

Der Ständerat gibt grundsätzlich grünes Licht für die vom Bund und den beiden ETH entwickelte Swiss-Covid-App. Er hat den entsprechenden Gesetzesentwurf nur geringfügig angepasst.

So sieht die SwissCovid-App aus – der Ständerat hat nun die dafür nötige Gesetzesgrundlage verabschiedet.
Bild: Keystone/Laurent Gillieron

Damit die Proximity-Tracing-App spätestens Ende Juni breit lanciert werden kann, ist eine dringliche Änderung des Epidemiengesetzes notwendig. Der Bundesrat hat dem Parlament auf dessen Wunsch eine entsprechende Vorlage vorgelegt.

Die Rückverfolgung von Corona-Fällen per App soll unmittelbar nach der Verabschiedung durch die beiden Kammern regulär zum Einsatz kommen. Derzeit läuft eine Pilotphase mit der App.

7.50 Uhr: Schweizer Wirtschaftsleistung sinkt deutlich

Die Schweizer Wirtschaft hat schon im ersten Quartal 2020 stark unter den Folgen der Corona-Pandemie gelitten. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) ging zwischen Januar und März gegenüber dem Vorquartal um 2,6 Prozent zurück, nachdem es im Vorquartal noch um 0,3 Prozent gewachsen war. Gegenüber dem Vorjahresquartal betrug das Minus 1,3 Prozent nach +1,6 Prozent im Schlussquartal 2019.

Wegen der Pandemie und der Eindämmungsmassnahmen sei die Wirtschaftsaktivität im März stark eingeschränkt gewesen, schreibt das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) zu den Zahlen. Zudem habe der internationale Konjunktureinbruch die Exportwirtschaft gebremst.

7.11 Uhr: Swiss-Bilanz taucht

Die Swiss hat im ersten Quartal wegen der Corona-Pandemie einen Resultattaucher erlitten. Der Umsatz brach laut einer Mitteilung um 20 Prozent auf 923 Millionen Franken ein. Das Betriebsergebnis rutschte in den negativen Bereich, der EBIT lag bei -84,1 Millionen Franken.

6.14 Uhr: Warnung vor Reisen nach Italien

Italien öffnet heute seine Grenzen für Besucher aus Schengen-Ländern und erlaubt Reisen im Landesinnern. Die Schweiz hält die geltenden Einreisebeschränkungen an der Grenze zu Italien aber bis auf Weiteres aufrecht, und der Bundesrat rät weiterhin von Reisen ins südliche Nachbarland ab. Es könnten Sanktionen gegenüber Schweizern ausgesprochen werden, die sich nicht an die von Italien verhängten Massnahmen halten, erklärte der Tessiner Delegierte für Aussenbeziehungen, Francesco Quattrini. In der Lombardei beispielsweise gelte ein Maskenobligatorium, sagte Quattrini am Dienstag bei einer Medienkonferenz in Bellinzona. Alle müssten die Maskenpflicht respektieren – auch ausländische Touristen. 

Quattrini forderte Italien-Reisende auf, sich genau zu informieren: Bussen könnten auch für Schweizer «schmerzhaft» sein.

Zudem könnten Ausländer in Italien in Quarantäne geschickt werden. Wo sie diese verbringen müssten und wie lange diese dauern könnte, sei derzeit unklar, hielt Quattrini fest. «Das müssen die italienischen Behörden erst noch definieren.»

Auch Regierungspräsident Norman Gobbi riet von Reisen ins südliche Nachbarland ab, auch wenn sie nicht verboten seien.

Der auf das Coronavirus vorbereitete Strand in Viareggio in der Toskana wartet auf Gäste.
Bild: Keystone/EPA/Fabio Muzzi

6.03 Uhr: Kreuzlingen und Konstanz wollen offene Grenzen

Die Stadtpräsidenten von Kreuzlingen (TG) und Konstanz in Deutschland haben sich gegen Grenzzäune in ihrer Region ausgesprochen. «Eigentlich sind Konstanz und Kreuzlingen eine Stadt», sagte der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt der «Neuen Zürcher Zeitung» vom Mittwoch. «Man hätte genauso gut zwischen zwei Stadtteilen von Zürich oder Stuttgart einen Zaun bauen können», führte er weiter aus. Den Entscheid dazu hätte aber das deutsche Innenministerium in Berlin und die deutsche Bundespolizei gefällt, erklärte er. Er sei immer gegen eine solche Massnahme gewesen.

Der Kreuzlinger Stadtpräsident Thomas Niederberger sagte, die Thurgauer Behörden hätten den Schweizer Zaun nur aufgebaut, «um die Distanzregel gewährleisten zu können. Die Grenzwacht und die Polizei konnten die Menschenmengen, die sich am deutschen Zaun ansammelten, nicht mehr kontrollieren», betonte er. Der zweite Zaun sei die logische Konsequenz des ersten Zauns gewesen, ergänzte Burchardt. Da könne man niemanden einen Vorwurf machen, sagte er.

Nun setzen die Lokalpolitiker ihren Kampf gegen Grenzschliessungen fort. «Wir haben neben einer raschen Öffnung auch Lockerungen für persönliche Beziehungen verlangt», betonte Niederberger. Man könne über die Grenze, muss dafür vorerst aber besondere Gründe haben. «Das ist ein erster Schritt.» Solche Lockerungen hätte es schon früher geben sollen, sagte er.

Burchardt sagte: «Es war einfach, die Grenzen zu schliessen, doch die Kollateralschäden waren riesig. Zwar war es in einer ersten Phase richtig, lange Reisen und den Tourismus zu bremsen. Aber es war falsch, mitten durch unsere Städte einen Zaun zu bauen.» Zudem bezweifelte der deutsche Politiker, dass dies epidemiologisch viel bewirkt hat.

Metaanalyse: Das schützt vor dem Coronavirus

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Laut einer Metaanalyse kanadischer Wissenschaftler sind Abstandsregeln und Maskenpflicht trotz der rückläufigen Anzahl an Corona-Fällen weiterhin sinnvoll.

02.06.2020

Auch Niederberger gibt sich überzeugt, dass es bei einer allfälligen zweiten Coronavirus-Infektionswelle oder bei der Ausbreitung eines anderen Virus nicht zur Wiederaufstellung eines Grenzzaunes kommen soll. «Wir müssen die Probleme anders lösen», forderte er diesbezüglich. Die grüne Grenze sollte offen bleiben, pflichtete Burchardt bei. «Die Leute, die hier leben, könnten ihre Partner sehen oder Spaziergänge machen, wenn sie gewisse Regeln einhalten», sagte er. Und normalerweise habe es an der Grenze keine Menschenmassen, solange nicht noch mit einem Grenzzaun eine Attraktion geschaffen werde.



5.32 Uhr: Betrugsverdachsfälle bei Corona-Subventionen

In Deutschland gibt es Tausende Verdachtsfälle auf Betrug im Zusammenhang mit Coronavirus-Soforthilfen. Dies geht aus einem Medienbericht hervor. Die Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen (FIU) teilte auf eine Anfrage der Zeitung «Bild» mit, dass sie in den vergangenen neun Wochen knapp 5'000 Meldungen mit möglichen Bezügen zu Covid-19 erhalten habe, davon ca. 4'100 Meldungen mit einem Hinweis auf das betrügerische Erlangen von Soforthilfen.

Allein im Bundesland Niedersachsen würde die Polizei aktuell in 70 Fällen ermitteln, schreibt die Zeitung am Mittwoch. Der daraus resultierende Schaden belaufe sich auf knapp 450'000 Euro, hiess es weiter. Nach Angaben des deutschen Wirtschaftsministeriums wurden bisher rund 2,1 Millionen Anträge im Rahmen der Soforthilfe für Solo-Selbstständige, Freiberufler und kleine Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern gestellt und rund 13,1 Milliarden Euro bewilligt.

4.56 Uhr: Trump will Republikaner-Parteitag verlegen

Die US-Republikaner werden ihren kommenden Parteitag Präsident Donald Trump zufolge wegen zu strenger Corona-Auflagen an einen anderen Ort verlegen. Die für Ende August im Bundesstaat North Carolina geplante Grossveranstaltung müsse wegen fehlender Garantien von Gouverneur Roy Cooper verlegt werden, schrieb Trump am Dienstagabend (Ortszeit) auf Twitter. Auf dem Nominierungsparteitag soll Trump offiziell zum Kandidaten der Republikaner für die Präsidentenwahl im November gekürt werden. Trump hat dabei keinen ernsthaften Gegenkandidaten.

Cooper hatte zuvor in einem Schreiben erklärt, dass der geplante Parteitag mit rund 19'000 Delegierten in einem Stadion angesichts der anhaltenden Coronavirus-Pandemie nur mit Einschränkungen durchführbar wäre. Ein Parteitag ohne Vorsichtsmassnahmen wie das Tragen von Masken und einer geringeren Teilnehmerzahl erscheine derzeit «sehr unwahrscheinlich», schrieb der Gouverneur in einem bei Twitter veröffentlichten Brief an die Republikaner.



In den USA entscheidet jeder der 50 Bundesstaaten separat darüber, welche Corona-Auflagen zu welchem Zeitpunkt gelten und wann es Zeit für Lockerungen ist. Das Abhalten voll besuchter Grossveranstaltungen, bei denen Teilnehmer kaum genügend Sicherheitsabstand einhalten können, gilt derzeit allerdings landesweit als unwahrscheinlich. Trump lehnt einen virtuellen Parteitag allerdings ab.

3.28 Uhr: China hielt Daten zu Coronavirus tagelang zurück

China hat essenzielle Informationen über das neuartige Coronavirus mehr als eine Woche lang zurückgehalten. Die Nachrichtenagentur AP hat dazu interne Dokumente und E-Mails ausgewertet und zahlreiche Interviews geführt. Demnach besassen die chinesischen Behörden über Tage hinweg bereits detailliertes Wissen über den genetischen Code des Virus – Wissen, mit dem Tests, Medikamente und Impfstoffe entwickelt werden können.

Den Recherchen zufolge wurden Informationen über den neuen Krankheitserreger streng kontrolliert, auch weil private und staatliche Labore miteinander konkurrierten. Während die Weltgesundheitsorganisation China noch öffentlich für dessen Hilfe und die «umgehende» Veröffentlichung des genetischen Codes lobte, gab es WHO-intern schon Sorgen, dass das Land nicht genügend Informationen über die Risiken des neuen Virus teilte und damit wertvolle Zeit verspielte.

«Wir sind jetzt an dem Punkt, wo wir 15 Minuten, bevor CCTV berichtet, Bescheid bekommen», sagte der oberste WHO-Repräsentant in China, Dr. Gauden Galea, in einem internen Treffen, das aufgezeichnet wurde. CCTV ist der staatliche Sender China Central Television. Die WHO muss sich, was gesundheitliche Informationen betrifft, auf die Mitgliedsstaaten verlassen. Internationales Recht verpflichtet diese zwar zur Meldung relevanter Daten, doch hat die WHO keine Mittel, das auch durchzusetzen.

Das neue Coronavirus wurde erstmals am 2. Januar decodiert, am 30. Januar erklärte die WHO den weltweiten Notstand. In der Zwischenzeit breitete sich das Virus um das 100- bis 200-Fache aus, wie rückblickende Daten des Chinesischen Zentrums für Krankheitskontrolle und -Prävention zeigen. Die WHO und die in diesem Text genannten Funktionäre wollten nicht Stellung nehmen, ohne die Aufnahmen oder Transkripte der aufgezeichneten Treffen einzusehen. Diese hat die Nachrichtenagentur AP nicht weitergegeben, um ihre Quellen zu schützen.

Für die WHO kommen diese Enthüllungen zur Unzeit, nachdem US-Präsident Donald Trump am Freitag die Zusammenarbeit der USA mit der UN-Gesundheitsorganisation aufgekündigt hat. Sein Vorwurf: Die WHO habe mit China zusammengearbeitet, um das Ausmass der Epidemie zu verschleiern. Chinas Präsident Xi Jinping hielt dagegen, sein Land habe immer Informationen an die WHO und die Welt geliefert, und zwar in kürzester Zeit. Nach Informationen von AP stimmt weder das eine noch das andere.

Vielmehr zeigt sich, wie sehr die WHO irgendwo dazwischen gefangen war, während sie eindringlich nach mehr Daten verlangte. Die Weltgesundheitsorganisation wurde von China grösstenteils im Unklaren gelassen und erhielt nur ein Mindestmass an Informationen. Dennoch versuchte die WHO, China im besten Licht erscheinen zu lassen, wahrscheinlich, um das Land zu mehr Details zu bewegen. WHO-Funktionäre fragten sich, wie sie China unter Druck setzen könnten, ohne dabei die chinesischen Behörden zu verärgern oder Wissenschaftler zu gefährden.

2.39 Uhr: Steiles Umsatzplus bei Zoom dank Corona

Der rasant wachsende Videodienstanbieter Zoom profitiert vom Trend zum Homeoffice in der Coronavirus-Krise. Die Geschäfte boomen und der Ausblick für das Gesamtjahr sieht eine Umsatzverdopplung. «Die Gelegenheiten, den Dienst anzuwenden, sind rapide gewachsen, weil Menschen Zoom in ihre Arbeit, ihr Lernen und ihr persönliches Leben integriert haben», sagte Zoom-Gründer und -Chef Eric S. Yuan am Dienstag (Ortszeit) nach US-Börsenschluss. Das kalifornische Unternehmen hob den Jahresausblick deutlich an und rechnet nun mit einem Umsatz zwischen 1,78 und 1,80 Milliarden Dollar. Bisher waren maximal 915 Millionen Dollar in Aussicht gestellt worden.

Im ersten Geschäftsquartal zu Ende April sprangen die Erlöse um 169 Prozent auf rund 328 Millionen Dollar. Der Gewinn kletterte auf 27 Millionen Dollar, nachdem der Konzern im Vorjahreszeitraum gerade in die schwarzen Zahlen gekommen war. Angaben zu den aktuellen Gesamtnutzerzahlen machte die Firma keine. Die Zahl der Kunden mit mehr als zehn Mitarbeitern stieg aber um 354 Prozent auf 265'400. Die Aktien legten nachbörslich mehr als sechs Prozent zu.

Zoom punktet in der Krise mit seinem Videokonferenz-Angebot, weil aufgrund von Reisebeschränkungen und Abstandsregeln Menschen viel häufiger virtuell miteinander in Kontakt treten. Zuvor war der Dienst lange auf Unternehmen fokussiert. Allerdings traten durch die rasant steigenden Nutzerzahlen auch Sicherheitslücken zutage. Das Unternehmen kündigte an, die Verschlüsselung zu überarbeiten. Nutzer hatten sich immer wieder darüber beschwert, dass der Dienst nicht komplett verschlüsselt ist. Diesbezüglich läuft auch eine Sammelklage gegen den Konzern in den USA.

Hinzu kommen Probleme durch das sogenannte Zoombombing, bei dem sich Unberechtigte in eine Sitzung einwählen. Inzwischen muss sich Zoom auch neuer Konkurrenz erwehren. Erst kürzlich brachten Google wie auch Facebook eigene Angebote auf den Markt.

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