Nach Bar-InfernoWalliser Staatsanwältin räumt ein: «Nicht alles hat funktioniert»
Sven Ziegler
5.1.2026
Beatrice Pilloud, Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis.
KEYSTONE
Nach dem Brandinferno von Crans-Montana zeigt sich die Walliser Generalstaatsanwältin selbstkritisch. Béatrice Pilloud sagt: Angesichts der vielen Toten und Verletzten könne niemand behaupten, dass alles funktioniert habe.
Ziel der Strafuntersuchung sei es nun, genau zu klären, was versagt habe – und wer dafür Verantwortung trage. «Dank der Expertise der Spezialisten des Forensischen Instituts Zürich hoffe ich, die Verantwortlichkeiten feststellen und den Eltern, Geschwistern und Angehörigen erklären zu können, was passiert ist», sagte Pilloud.
Gleichzeitig dämpft die Generalstaatsanwältin Erwartungen an schnelle Ergebnisse. Die Untersuchung werde viel Zeit in Anspruch nehmen. «Wir sind im echten Leben, nicht in einer 45-minütigen Serie», sagte sie. Technische Gutachten seien aufwendig, zudem müssten sehr viele Personen befragt werden. Man wolle keine Spur ausschliessen und sorgfältig arbeiten – deshalb dauere das Verfahren.
Ermittlungen werden lange dauern
In einem nächsten Schritt analysieren die Ermittler unter anderem die Unterlagen der Gemeinde. Geprüft werden die Bewilligungen, die Umbauarbeiten der Betreiber, die verwendeten Materialien, die Fluchtwege, die vorhandenen Löschmittel sowie die Einhaltung der Brandschutzvorschriften.
Nach aktuellem Stand der Ermittlungen steht der Brandausbruch im Zusammenhang mit sogenannten «Fontänen». Dabei handelt es sich um pyrotechnische Gegenstände, die Funken und Flammen erzeugen. Sie sind dafür vorgesehen, auf dem Boden oder auf einer Halterung befestigt oder in der Hand gehalten zu werden.
Erste Zeugenaussagen beschreiben ein Feuer, das sich extrem schnell ausbreitete, begleitet von dichter Rauchentwicklung und einer starken Hitzewelle. «Alles ist sehr rasch passiert», betont Pilloud.
Das Paar wird wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Verursachung einer Feuersbrunst beschuldigt. Gleichzeitig weist die Staatsanwaltschaft ausdrücklich darauf hin, dass bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung gilt.
Thematisiert wurde auch die Anwesenheit von Minderjährigen im Club. Laut Kantonspolizei war etwa die Hälfte der Todesopfer noch nicht volljährig, die jüngste Person war 14 Jahre alt. Ob diese Minderjährige rechtmässig im Lokal war, ist Teil der laufenden Ermittlungen. «Derzeit kann ich nicht sagen, ob sie begleitet war oder nicht», sagte Pilloud. Auch das werde die Untersuchung klären.
Stille nach der Katastrophe: Tränen, Blumen und Schock – Crans-Montana gedenkt der Opfer
Nach dem verheerenden Brand in der Neujahrsnacht ist die Betroffenheit in Crans-Montana gross. Rund 400 Personen nahmen am Donnerstagabend an einem Gottesdienst teil. Am Unglücksort erinnern Blumen und Kerzen an die Opfer der Tragödie.