Kann Lia Wälti spielen oder nicht? Es war die grosse Frage vor dem EM-Auftakt. Die Antwort: Sie kann. Warum? Weil sie ein Mentalitäts-Monster ist, das die Grenzen des Erträglichen verschiebt.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Die angeschlagene Nati-Kapitänin Lia Wälti hat den Wettlauf gegen die Zeit gewonnen und stand sowohl gegen Norwegen als auch Island über 90 Minuten auf dem Platz.
- Sie habe keine Ahnung, wie sie das geschafft habe. Denn die Schmerzen sind seit Wochen ein ständiger Begleiter: «Es ist krass und extrem beeindruckend, was Adrenalin mit einem macht.»
- Im Fussball-Talk Heimspiel bei der Nati verrät Ex-Nati-Spielerin Martina Moser auch, dass es bei Wälti ohne Schmerzmittel im Moment nicht gehe.
Die EM-Vorbereitung von Lia Wälti verläuft alles andere als optimal. Die Nati-Kapitänin hat mit Knie-Problemen zu kämpfen, kann nur dosiert trainieren. Ob sie den Wettlauf gegen die Zeit gewinnt, steht bis am Schluss auf der Kippe. Nun hat die Champions-League-Siegerin sowohl gegen Norwegen als auch gegen Island 90 Minuten gespielt.
Wie hat sie das geschafft? «Keine Ahnung. Ich kann es nicht sagen. Ich habe mir wochenlang eingeredet, dass ich am 2. Juli auf dem Platz stehen werde. Dass es irgendwie gehen wird und meine Schmerzen dann weg sind», sagt Wälti nach dem 2:0-Sieg gegen Island. Danach lässt die 32-Jährige noch etwas tiefer blicken: «Die Schmerzen sind ab der Nationalhymne weg. Es ist krass und extrem beeindruckend, was Adrenalin mit einem macht. Beim Aufwärmen spüre ich jeden Schritt. Aber während des Spiels habe ich keine Sekunde daran gedacht. Wenn es losgeht, gibt es keine Entschuldigungen mehr. Dann will ich alles dafür geben, damit das Team erfolgreich ist.»
Die ehemalige Nati-Spielerin Martina Moser kennt Lia Wälti nur zu gut. Sie weiss, wie viel Wälti für ihren Traum investiert hat und sagt im Fussball-Talk «Heimspiel bei der Nati» auf blue Sport: «Wenn man sich entscheidet, dass man spielfähig ist, dann ist viel Adrenalin dabei, das einen vieles vergessen lässt. Aber ohne Schmerzmittel kann sie nicht spielen. […] Meistens geht es dir direkt nach dem Spiel oder einen Tag später wieder schlechter.»
Darum ist Lia Wälti für die Nati so wichtig
Lia Wälti ist nicht irgendeine Spielerin, sie ist die Denker- und Lenkerin im zentralen Mittelfeld. Oder wie Moser sagt: «Wenn sie spielt, strahlt sie Sicherheit aus und macht die Spielerinnen um sich herum besser. Sie bestimmt den Spielrhythmus, sie organisiert, sie übernimmt Verantwortung. Sie ist DIE Führungsspielerin in diesem Team. Für mich hat sie sehr gute Spiele gemacht.»
Sie würde Wälti selbst dann aufstellen, wenn sie nur bei 80 Prozent ist, sagte Moser schon vor dem Turnierstart. Eine Aussage, der Michael Wegmann, Leiter Sport blue News, nicht zustimmte. Nach dem Island-Spiel krebst er mit einem Augenzwinkern zurück: «Ich muss den Hut ziehen und mich bei Martina entschuldigen. Also wenn das wirklich 80 Prozent waren, dann reicht es wirklich, dann hattest du Recht.»
Vor dem letzten Gruppenspiel gegen Finnland steht bei Wälti nun wieder die Erholung im Vordergrund. «Wir haben viele wunderbare Behandlungsmöglichkeiten, die wir vorher noch nie gesehen haben. Wir nutzen jede Möglichkeit, um uns zu erholen. Im mentalen und im physischen Bereich.»