Weitere Vergrösserung geplant Bar-Betreiber reichte Baugesuch erst Monate nach Umbau ein

Sven Ziegler

5.1.2026

Stille nach der Katastrophe: Tränen, Blumen und Schock – Crans-Montana gedenkt der Opfer

Stille nach der Katastrophe: Tränen, Blumen und Schock – Crans-Montana gedenkt der Opfer

Nach dem verheerenden Brand in der Neujahrsnacht ist die Betroffenheit in Crans-Montana gross. Rund 400 Personen nahmen am Donnerstagabend an einem Gottesdienst teil. Am Unglücksort erinnern Blumen und Kerzen an die Opfer der Tragödie.

02.01.2026

Kurz vor dem Brand in Crans-Montana wollte der Betreiber der Bar «Le Constellation» sein Lokal weiter ausbauen. Baugesuche, Pläne und frühere Umbauten rücken nun in den Fokus der Ermittlungen.

Sven Ziegler

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Der Betreiber der Bar «Le Constellation» reichte im Dezember 2025 ein Baugesuch ein, um die geschlossene Veranda zu vergrössern.
  • In den Plänen sind Türen und Fluchtwege eingezeichnet, die nicht den geltenden Vorgaben entsprachen.
  • Unklar ist weiterhin, ob frühere Umbauten im Jahr 2015 korrekt bewilligt wurden.

Kurz vor der Brandkatastrophe von Crans-Montana plante der Betreiber der Bar Le Constellation eine weitere Vergrösserung seines Lokals. Wie RTS berichtet, wurde am 19. Dezember 2025 ein Baugesuch eingereicht. Ziel war es, die geschlossene, überdachte Terrasse zu erweitern, um noch mehr Gäste im Innenbereich unterbringen zu können.

Gleichzeitig sollte laut Recherchen von RTS ein seitlicher Ausgang der Veranda entfernt werden. Die geplanten Bauarbeiten hätten erst 2026 beginnen sollen. Dennoch zeigt sich aus heutiger Sicht: Wäre die Erweiterung bereits umgesetzt gewesen, hätten sich in der Silvesternacht noch mehr Menschen in der geschlossenen Veranda befunden – mit potenziell gravierenden Folgen für die Fluchtmöglichkeiten.

In den öffentlich aufgelegten Unterlagen sind auch ältere Gebäudepläne enthalten. Darauf ist unter anderem eine innere Tür mit einer Breite von 1,50 Metern eingezeichnet, deren Öffnungsrichtung nicht den Vorschriften entspricht. Die Tür öffnet sich nicht in Fluchtrichtung. Dasselbe gilt laut RTS für die Tür der Veranda, die ebenfalls nach innen statt nach aussen aufschlägt.

Auf zahlreichen Videos der Brandnacht ist die Veranda deutlich zu sehen. Mehrere Menschen versuchen dort verzweifelt zu entkommen, blockiert durch andere Gäste, die sich in Richtung des zentralen Ausgangs drängen.

Ein wichtiger Punkt der Ermittlungen bleibt offen: Wurden die umfangreichen Umbauten aus dem Jahr 2015 rechtlich korrekt bewilligt? In dieser Phase wurden unter anderem schallisolierende Schaumstoffe angebracht – Materialien, die im Brandverlauf eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Wie am Wochenende bekannt wurde, findet sich in den amtlichen Publikationen keine öffentliche Auflage für den Innenausbau. Dokumentiert ist jedoch ein Baugesuch aus dem Jahr 2015 für die Fassade. Dieses sah den Einbau einer verschiebbaren Glasstruktur sowie eines einziehbaren Dachs über der Terrasse vor.

Baugesuch erst nachträglich eingereicht

Gemäss Recherchen von RTS wurde dieses Baugesuch erst drei Monate nach Beginn der Arbeiten eingereicht. Fotos aus dem Zeitraum zwischen Juni und Oktober 2015 zeigen, dass Renovationen – vor allem im Innenbereich – bereits im Gang waren. Diese Arbeiten wurden vom Betreiber selbst dokumentiert und in sozialen Netzwerken veröffentlicht.

In dieser Phase wurden unter anderem die Terrasse umgebaut, das Treppenhaus vom Untergeschoss verengt und die genannten Dämmmaterialien eingebaut. Das Bauprojekt wurde im Dezember 2015 abgeschlossen. Bereits im Juli desselben Jahres hatte der Betreiber ein Gesuch um Erteilung der Betriebsbewilligung eingereicht. Die Bar nahm den Betrieb noch im Dezember 2015 auf.

Das Baugesuch von 2015 wurde nicht vom später angeklagten Betreiberpaar eingereicht, sondern vom damaligen Gebäudeeigentümer, einem Schweizer Bürger aus Crans-Montana.

Ob und in welchem Umfang die Umbauten bewilligt waren, ist nun Teil der laufenden strafrechtlichen Untersuchung. Die Behörden prüfen derzeit die Bauakten, die Bewilligungen, die Ausführung der Arbeiten sowie die Einhaltung der Brandschutz- und Fluchtwegvorschriften.

Brandschutzexperte: «Das hätte nicht passieren dürfen»

Brandschutzexperte: «Das hätte nicht passieren dürfen»

Nach dem verheerenden Brand von Crans-Montana nimmt ein Brandschutzexperte Stellung. Er sagt, dass sich das Inferno hätte verhindern lassen.

02.01.2026